- personal views

Ein Internet- und Ausstellungsprojekt von Susanne Wehr
mit Texten von Birgit Szepanski und Rainer Totzke

personal-views.com

Gastbeiträge von: Thomas Abel, Matthias Beckmann, Barbara Caveng, Gregor Cürten, Andreas Fischer, Linda Gross, Dieter Hacker, Marius Heckmann, Manuela Lintl, Ev Pommer, Matthias Reichelt, Luzia Schelling, Britta Schulze, Lisa Wassmann, Sabine Würich

Das Projekt wurde konzipiert für die internationale Ausstellungsreihe “Mutations III” des Europäischen Monat der Fotografie. Ausstellung Mutation III in Berlin mit den Künstlern Benjamin Cadon & Ewen Chadronnet (F), Edmund Clark (GB), Anders Bojen & Kristoffer Ørum (DK), Rob Hornstra & Arnold van Bruggen (NL), Susanne Wehr (D)

Vernissage und Eröffnung des Monats der Fotografie
Donnerstag 14. Oktober 2010 um 19 Uhr

Berlinische Galerie
Alte Jakobstr. 124 – 128
10969 Berlin

Das Internet Projekt wird ebenfalls in Rom, Wien, Paris und Warschau zum europäischen Monat der Fotografie präsentiert, die Ausstellung in Luxemburg folgt im Frühjahr 2011

23.09.2010 → 24.10.2010 MACRO Testaccio, Rome
29.10.2010 → 08.01.2011 MUSA Museum auf Abruf, Vienna
03.11.2010 → 28.11.2010 Maison Européenne de la Photographie, Paris
3.11.2008 → 07.12.2008 Bast’Art, Bratislava
26.04.2011 → 10.06.2011  Carré Rotondes, Luxembourg

Idee
personal-views
analysiert mittels analogen und digitalen Amateurfotografien die visuellen Inhalte der persönlichen/privaten Identitätskonstruktion. Zu diesem Bereich gehören die fotografischen Präsentationen von z.B. Familie und Freunden, privaten Räumen oder Gegenständen.
Die  Projektidee ist dabei, dass die heutige allgegenwärtige Präsenz an Fotografien den Menschen nicht einfach nur überflutet, sondern das er diese, gesteuert von Bildmustern bewältigt, beurteilt und sortiert. Ausgehend von 25 exemplarischen Bildmotiven aus anonymen privaten Diabildsammlungen der 70er-90er Jahre, die auf der Website personal-views veröffentlicht werden sollen, skizziert das Projekt eine „performative Plattform“. Durch diese soll das bereits bestehende Repertoire von Bildmustern, in dem Themenbereich der privaten Selbstpräsentation für den Besucher der Webseite sichtbar werden. Zusätzlich werden visuelle Querverbindungen von den privaten Diafotografien zu privaten Digitalfotografien in den Bildarchiven des Internets (Flickr, Google, Yahoo) durch Verlinkung der Bilder gelegt. Dem Besucher bietet sich damit die Möglichkeit, über externe Verknüpfungen (links) virtuelle „Ausflüge“ in heutige private Bildwelten der Selbstdarstellung zu unternehmen.

Die Fotografien
Grundlage des Projektes sind die bislang gesammelten Diafotografien der Internetplattform und des Archivs volks-bild.com, das von Susanne Wehr im August 2007 gegründet wurde (siehe beiliegende Präsentation Volks-Bild). Die private Amateurfotografie als massenhafte Verwendung des Mediums Fotografie, insbesondere ab den 1950er bis zum Ende der 90er Jahre, bildet den Inhalt des Archivs und stellt das Ausgangsmaterial für das Internet- und Ausstellungsprojekt personal-views dar.
Die Auswahl der Sujets repräsentiert bezeichnende, relevante oder stereotype Formen der Darstellung des Persönlichen/Privaten, die im Rahmen der Analyse und Kategorisierung im Volks-Bild Archiv durch Wiederholungen, Themenschleifen und inhaltliche Auswahl eines Motivs auffall. Die sich daraus ergebenden Themen wurden auf 25 Schwerpunkte (25 Fotografien) eingegrenzt.

Die Autoren
Die beiden Autoren nähern sich aus dem Blickwinkel ihrer fachlichen Kompetenz und mit einer kreativen Haltung textlich an die von Susanne Wehr ausgewählten anonymen Diafotografien an.   Birgit Szepanski und Rainer Totzke untersuchen anhand der Diafotografien, welche Grundstrukturen von Bildmustern unserer Selbstpräsentation in der heutigen privaten Digitalfotografie zugrunde liegen könnten. Die jeweils 25 Kurzessays der Autoren beziehen sich dabei in erster Linie auf die auf der Webseite präsentierten Diafotografien. Die verlinkten Digitalfotografien in den Bildarchiven des Internet wurden von den Autoren insofern in die Analyse mit einbezogen, als sie Rückschlüsse auf den veränderten Umgang mit der Selbstpräsentation, mit Identitätskonstruktionen und heutigen Bildmustern/Bildspielen der digitalen Privatfotografie, ermöglichen können. Das Abenteuer des Projektes besteht für den Besucher der Webseite darin, aus dem von personal-views vorgeschlagenen Blickwinkel, Rückschlüsse auf die aktuelle gegenwärtige Privatfotografie vorzunehmen.

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personal views
Der Erkundungsprozess

Das Projekt „personal views“ hat sich in einem sukzessiven und gemeinsamen Auswahl- Reflexions- und Diskussionsprozess zwischen den beteiligten Künstlerinnen/Autorinnen Susanne Wehr, Birgit Szepanski und Rainer Totzke entwickelt. Dabei verlief sowohl die Auswahl der 25 Diafotografien des Projektes aus dem umfassenden Fundus der Sammlung volks-bild prozessual und integrierte Feedbackschleifen, als auch die Produktion der Texte.

Die Motivauswahl
Am Anfang des Arbeitsprozesses stand eine generelle Sichtung des gesamten für die Thematik relevanten Archivmaterials von „volks-bild“ durch Susanne Wehr. Sie stellte anhand des ausgewählten Materials eine Liste mit den typischen Motivgruppen von privaten Diafotographien aus dem häuslichen Umfeld zusammen. Nach einer Diskussion ergab sich aus dieser Liste die folgende Zusammenstellung der für das Projekt „personal views“ relevanten Themen:
Mutter und Kind –  Vater und Kind –  Mann und Frau –Mann – Großeltern – Frau – Geschwister – Teenager – Kind – Erotik – Mensch und Tier – Haustier – Weihnachten – Kindergruppe – Familienfoto – Feier – Gruppe vor Haus – Gruppe am Tisch – Haus – Wohnzimmer –  Essen auf der Terasse – Stillleben – Interieur – Fenster – Garten
Diese Themenliste bildete die Arbeitsbasis – sowohl für die Auswahl der Motive, als auch leitmotivisch für die Entstehung der Kurzessais. Sie spiegelt sich entsprechend in der Endpräsentation des Projektes auf personal-views.com.
Im nächsten Schritt stellte Susanne Wehr den beiden Autor/innen in einem über mehrere Monate laufenden Prozess jeweils ca. 20-30 Scans von Diafotografien zu jeder der 25 Themen zur Verfügung. Aus jeder Motivgruppe  konnten Brigit Szepanski und Rainer Totzke in Absprache drei bis vier Bildmotive auswählen. Aus dieser Vorauswahl wählte Susanne Wehr, unter Berücksichtigung der Zusammenstellung der bereits ausgewählten Bilder, die entsprechende endgültige Fotografie aus. Zu dieser begannen die beiden Autor/innen – zunächst unabhängig voneinander – ihre Kurzessais zu schreiben.

Die Textentstehung
Obwohl jeweils auktorial gezeichnet spiegeln sich in den Kurzessais von Birgit Szepanski und Rainer Totzke immer auch die Sichtweisen, Gedanken und Reflexionen der jeweils anderen Projektbeteiligten wieder. Die jeweiligen Texte wurden nach einer ersten Fassung von allen, im Kontext der jeweils eigenen Texte bzw. des gesamten Bild- und Textkorpus, intensiv kommentiert. Dies wiederum hatte Einfluss auf die mögliche Um- bzw. Weiterbearbeitung des Textes und  beeinflusste vor allem die Produktion der Texte zu den weiteren, nachfolgenden Bildmotiven aus den anderen Themenbereichen. – Rainer Totzke